Am Wochenende vom 23-24.05 baute der Pfadfinder*innenbund Nord (PBN) seine Kothen und Jurten (Schwarzzelte) im Park an der Adolph-Schönfelder-Straße, gegenüber der Schulbehörde, auf. Anlass des Protestcamps unter dem Motto „Jugendarbeit braucht ein Zuhause!“ war die zunehmend prekäre Heimsituation im PBN. Der Stamm Saliskiaron hat sein Pfadi-Heim im Herbst verloren, der Stamm Depheiro sucht ebenfalls bisher vergeblich nach einem Heim, um dem stark überfüllt Heim „Tieloh“ zu entfliehen.

Am Samstag wurde bei sommerlichen Temperaturen Eis gegessen, sich über die Heimsuche ausgetauscht, informiert, Banner und Schilder gemalt, Protestbriefe an verschiedene Parteien geschrieben und gespielt. Der Abend klang mit einer Diskussions- und Singerunde am Lagerfeuer aus. Hier fand ein wertvoller innerverbandliche Austausch zwischen den Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen zum Thema Heime und dem nötigen Einsatz für diese statt.
Der Sonntag startete nach dem Frühstück mit einer Kundgebung, für die 300 Pfadis, Eltern und Interesierte zusammenkamen. In verschiedenen Redebeiträgen wurde die Heimsituation geschildert und die Forderungen nach zwei neuen Heimen und einer auskömmlichen Finanzierung für die Jugendarbeit insgesamt deutlich gemacht.
Zuerst erläuterten Luisa „Kiranó“ Bremer und Iska „Kirjava“ Treibel, Gruppenleitungen in Depheiro und Saliskiaron, wie sich der Raummangel bereits negativ auf die Jugendarbeit auswirkt. Die Gruppen bei Saliskiaron haben keinen gemeinsamen Ort mehr, treffen sich teilweise in Privaträumen oder in bereits überfüllten Heimen über ganz Hamburg verstreut. Das “Tieloh” hingegen ist so überbelegt, dass sich Gruppen nicht nur auf dem Flur treffen müssen, sondern einzelne Gruppen sogar draußen Programm machen müssen. Bei schlechtem Wetter müssen Gruppenabende bereits jetzt ausfallen. Trotz großem ehrenamtlichen Engagement und Interesse vieler Kinder an den Pfadis, passierte bezüglich neuer Heime in der Vergangenheit wenig: Insgesamt 16 Bezirks- und Landesausschussbesuche und zwei Jahre später hat Saliskiaron immer noch kein neues Heim in Eimsbüttel. In Wandsbek läuft es bisher ähnlich frustrierend. Die beiden stärkten die Aufforderung an Schulbehörde und Bezirke endlich gemeinsam Lösungen herbeizuführen, anstatt sich gegenseitig die Verantwortung zuzuschieben.

Darauf folgte ein Redebeitrag dreier Kinder aus dem Stamm Saliskiaron. Riccio (11), Fjari (11) und Tjaros (14), spielten in einem Theaterstück nach, wie sie sich über den Auszug aus ihrem alten Pfadiheim austauschen, das alte Heim vermissen und welche Bedeutung eigene Räume, außerhalb von Schule und Elternhaus, für sie haben. Beendet wurde das Theaterstück mit einem Zitat von Riccio: „Wir sind wie ein Puzzle, bei dem immer mehr Teile verloren gehen, weil die Schachteln fehlen.”
Vici Bueschler, Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft Hamburger Pfadfinder*innenverbände, zeigte noch einmal den Widerspruch in Bezug auf die Heimsituation im PBN auf: das große Wachstum des PBN (+400 Mitglieder seit 2014) ist doch eigentlich eine Erfolgsgeschichte, doch resultieren daraus Probleme durch fehlende neue Räume. Auch bekräftigte Vici die Bedeutung der Pfadfinderarbeit und eigene Räume dafür.
Abschließend sprach Luisa “Kiranó” Bremer noch einmal für den Vorstand des PBN. Sie erklärte, dass das Hinhalten nun endlich ein Ende finden müsse und fasste noch einmal die Forderungen zusammen:
zwei neue, kostenfreie Standorte für die Pfadfinder*innenstämme Saliskiaron und Depheiro und die Ausfinanzierung der Jugendarbeit insgesamt!

Anschließen gab es Zeit für Gespräche mit Interessierten und Unterstützer*innen, nebenbei wurde gespielt, gebastelt und gesungen, bevor am späten Nachmittag die Zelte abgebaut wurde und der Heimweg angetreten wurde.
Das Wochenende war Ausdruck von gelebtem jugendpolitischem Engagement. Selbstorganisiert, laut und kreativ wurden die Notwendigkeit eigener Räume zum Ausdruck gebracht und dabei auch die politischen Verantwortlichen direkt adressiert: Die Stadt muss die Grundbedingungen durch die Bereitstellung von Räumen für Jugendarbeit schaffen. Hierfür ist nun dringend das gemeinsame Handeln von Schulbehörde und den Bezirken Eimsbüttel und Wandsbek vonnöten.

Pressestimmen:
NDR Videobeitrag: https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/hamburg_journal/protestcamp-der-pfadfinder-in-barmbek,hamj-11044.html
Abendblatt Artikel: https://www.abendblatt.de/hamburg/hamburg-nord/article412074988/protestcamp-mit-lagerfeuer-in-hamburg-warum-ploetzlich-zelte-vor-behoerde-stehen.html (Paywall)
MOPO Artikel: https://www.mopo.de/hamburg/protestcamp-vor-der-schulbehoerde-pfadfinder-fordern-raeume-fuer-jugendarbeit/ (Paywall)
Eimsbüttler Nachrichten Artikel: https://www.eimsbuetteler-nachrichten.de/pfadfinder-protestcamp-vereinsheim-suche-jugendarbeit/ (Paywall)