Protestcamp vor der Schulbehörde: Pfadfinder*innen brauchen Häuser für Jugendarbeit / Pressemitteilung

Letzte Woche noch mit 1.000 Personen auf der Bundesfahrt im Brexbachtal, nächstes Wochenende vor die Schulbehörde in Hamburg. Foto: privat

11 Gruppen quasi obdachlos – obwohl städtische Räume leerstehen

Kinder vom Handy wegholen, für die Natur begeistern und ihnen Verantwortung und Gemeinschaftssinn zu vermitteln – dass das förderungswürdig ist, würden wohl alle Politiker*innen unterschreiben. Pfadfinder*innen leisten genau das, ehrenamtlich – doch ihnen fehlen ausreichende Räumlichkeiten in Hamburg. Viele Gruppen stehen deshalb buchstäblich auf der Straße. Deshalb veranstaltet der Pfadfinder*innenbund Nord ein zweitägiges Protestlager vor der Schulbehörde.

23.05.-24.05.26 Gegenüber der Adolph-Schönfelder-Straße 1, U Hamburger Straße
Kundgebung am 24.05. 12:00

Tagsüber wird gebastelt, gespielt und am Lagerfeuer gesungen. Wir rechnen mit 30 Zelten (runde Schwarzzelte und Jurten) und mindestens 500 Personen, hauptsächlich Kinder und Jugendliche. Gruppenleiter*innen und Kinder stehen für Interviews zur Verfügung.

Große Raumnot in Eimsbüttel und Wandsbek

In den letzten 10 Jahren ist der Verband wegen seiner erfolgreichen Arbeit um 400 Mitglieder gewachsen – doch es sind keine Räume langfristig dazu gekommen.

Wegen der überfüllten Heime ist eine Ortsgruppe, der „Stamm“ Saliskiaron, vor vier Jahren in ein Haus am Siemersplatz gezogen, nun musste der Stamm im Oktober ausziehen und hat seitdem keine eigenen Räume mehr. 16 Besuche in verschiedenen Ausschüssen blieben bisher erfolglos: Anvisierte Lösungen scheiterten an zu langen Fahrtwegen für die teils noch kleinen Kinder oder zu hohen Mietforderungen der Eigentümer.

Bei unserer eigenständigen Suche sind wir auf das Kutscherhaus in Lokstedt gestoßen. Das Haus steht seit vielen Jahren leer und gehört dem Bezirksamt Eimsbüttel. Trotz großer Bemühungen das Haus zu erhalten, hält der Bezirk aber an den Abrissplänen fest.

Das leerstehende Kutscherhaus im Amsinckpark. Foto: Jasper Wittenburg

Aktuell ist die Überlassung einer Grünfläche, auf die wir kurzfristig Wohnwägen und langfristig ein Holzhaus bauen können, im Gespräch. Wir hoffen, dass der neue Bezirksamtsleiter Christian Zierau hier eine passende Lösung herbeiführt, wofür es auch die finanzielle Förderung durch die Schulbehörde braucht.

Weitere bestehende Häuser sind völlig überlastet, was die Arbeit erheblich einschränkt. Am stärksten überlastet ist das Heim „Tieloh“, ein altes Trafohaus an der U-Bahn Habichtstraße. Dort treffen sich aktuell 37 Gruppen und 250 Mitglieder. Kapazitäten hat das Haus für 25 Gruppen. Deswegen hat der Stamm Depheiro sich dazu entschlossen auszuziehen. Für 50 Kinder und Jugendliche suchen sie nun ein neues Heim in Wandsbek.

„Wir wollen Jugendarbeit machen und nicht unsere Zeit in Ausschüssen verlieren”, sagt Luisa Bremer (erste Vorsitzende). „Unsere ehrenamtliche Arbeit muss durch die Stadt durch die Bereitstellung von passenden Räumen gefördert werden – und dieser Verantwortung kommt die Stadt aktuell nicht ausreichend nach.“ Anlässlich der Verhandlungen des Hamburger Doppelhaushalts 27/28 und den aktuellen Kürzungen in den Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit wollen wir unsere Bedarfe sichtbar machen. Insgesamt braucht es deutlich mehr Räume und die nötigen Finanzmittel dafür.

Bei Rückfragen gerne bei iska.treibel@pbn.de melden.
Iska “Kirjava” Treibel, Gruppenleiterin bei Saliskiaron & Mitorganisatorin des Protestcamps

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